Chronik 1920 - 1999

 (zusammengestellt von Karl-Heinz Gronwald)

In Markgröningen ist unsere Stadtkapelle heute wohl allen bekannt. Sie ist zu einem feststehenden Begriff im kulturellen Leben unserer Stadt geworden sowie über die Stadtgrenzen hinaus eine gern gehörte und gesehene Bereicherung zahlreicher Festivitäten. Ihre Existenz ist eine solche Selbstverständlichkeit, dass man gar nicht auf den Gedanken kommt, es könnte sie einmal nicht gegeben haben. Und doch war es vor mehr als sieben Jahrzehnten so. 

Zum Glück gab es damals Männer, die Freude an der Musik hatten, dazu noch die Begabung, Musik zu machen und den Mut, einen Musikverein zu gründen. Neben diesen Tugenden gehörte aber eine gehörige Portion an Standfestigkeit dazu, sonst hätte der in schwerer Zeit gegründete Verein seine ersten fünf Jahre nicht überstanden. 

Die 75 Jahre seines Bestehens aber sind Grund zu den Feiern im Jahre 1995. Darum gebührt seinen Gründern und jenen Männern, die ihm als Funktionäre ein solides Fundament gelegt haben, vollste Anerkennung und aufrichtiger Dank.

Chronik - Teil1

Der Weg des Vereins

Der Weg, den der Verein seither genommen hat, sei hier kurz umrissen: Als Initiator der Gründung muss Albert Meile betrachtet werden, denn er unternahm den entscheidenden Schritt vom Gedanken zur Tat. Der letzte Satz des Protokolls der Gründungsversammlung, an der am 13. November 1920 im „Gasthaus zum Löwen" 17 Personen teilnahmen, lautet nämlich wörtlich: „Hier sei noch zu berichten, dass der Musikverein von Albert Meile ins Leben gerufen worden und er Gründer des Musikvereins ist." Er wurde auch von den 17 Gründungsmitgliedern gewählt, sein erster Vorstand zu sein. Paul Schmückle stand ihm als Kassier zur Seite, Adolf Beurer als Schriftführer.

Kurz nach der Gründung wurde der Verein gleichzeitig Feuerwehrkapelle und trat dann bald mit einer Gründungsfeier an die Öffentlichkeit. Die Verschmelzung mit dem Theaterverein half mit, schon die erste Weihnachtsfeier zu einem verheißungsvollen Auftakt werden zu lassen.

Der Verein gewann Ansehen. Neben neuen aktiven Mitgliedern meldeten sich auch passive an. Eine wesentliche Bereicherung im kulturellen Leben unserer Stadt nahm so ihren Anfang.

Alljährliche Weihnachtsfeiern, Herbst- und Sommerfeste, ebenso Maskenbälle brachten neben ungezählten gelegentlichen Anlässen musikalischen Schwung in die Mauern der altehrwürdigen Stadt.

Im Jahr 1922 wurde Adolf Späth erster Vorstand, dem 1923 - 1926 Christian Weller folgte. Die schwierigen Jahre der Nachkriegszeit, auch geprägt von der Inflation, erschwerten die Suche nach gangbaren Wegen und fähigen Funktionären. In regem Wechsel, oft nur für eine Wahlperiode, seien hier die Mitglieder Karl Ritz, Adolf Schneider, Karl Josenhans, Paul Siegel, Friedrich Stierle, Gotth. Jahke, Karl Krieger und Ferdinand Weimer genannt.

Die musikalische Leitung der Blaskapelle hatte seither Paul Stierle, dem bis 1926 Joseph Müller als Dirigent folgte, nur unterbrochen im Jahre 1925 durch die Stabführung von Ernst Schein. Von Anfang an pflegte man auch Streichmusik - zeitweise sogar Zither- und Mandolinenspiel im Verein.

 

Ab 1922 Teilnahme am Schäferlauf

Seit dem ersten Schäferlauf nach dem Krieg, im Jahre 1922, spielte der Musikverein an diesen Tagen zum Tanz in verschiedenen Lokalen der Stadt. Die eigentliche Festmusik war aber einer auswärtigen Militärkapelle vorbehalten.

Im Jahr 1926 übernahm Walter Fricke die musikalische Leitung. 1927 wurde Richard Egler die Vereinsführung übertragen. Er führte den Verein über Jahrzehnte hinweg. Just in diesem Jahr fand das Bezirksmusikfest in Markgröningen statt. Inzwischen war 1928 die bis 1952 unverändert gültige Satzung beschlossen und der Verein in das Vereinsregister eingetragen worden. Weitere Satzungsänderungen bzw. Neufassungen erfolgten in den Jahren 1954, 1984 sowie 1987. Das 10-jährige Vereinsjubiläum im Jahr 1930 wurde wegen der allgemeinen Wirtschaftskrise nur im Rahmen des alljährlichen Sommerfestes begangen. Die vollständige Ausrichtung der Festmusik beim Schäferlauf wurde 1931 festgeschrieben. Sie ist heute selbstverständlich geworden. Sorgen bereiteten dem Verein der dauernde Wechsel von Probelokalen.

 

 

Chronik - Teil 2

Schwierige Kriegs- und Nachkriegsjahre

Nach der Wirtschaftskrise galt es, den politischen Umschwung 1933 zu verkraften. Die musikalische Leitung lag bei Eugen Stierle, dem Mitte der dreißiger Jahre Obermusikmeister Ferdinand Henrich folgte. 1935 wurde der Blaskapelle aufgrund eines Vertrages mit der Stadt, unter Bürgermeister Krinn, das Recht zum Führen der Bezeichnung „Stadtkapelle" erteilt.

1938 übernahm Paul Leuschel die Stabführung. Der weitere Aufstieg sowie die Tätigkeiten des Vereins wurden aber durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1939 jäh unterbrochen. Als dann die Besatzungsmächte 1946 eine vereinsmäßige Betätigung wieder gestatteten, ließen die Musiker nicht lange auf sich warten. Die Situation war nun ähnlich wie zur Zeit der Gründung.Einige Vorteile bestanden darin, sich auf vorhandene Instrumente, aber auch auf Erfahrung und Können stützen zu können. Man schloß sich damals nicht der Sport- und Kulturvereinigung an, sondern entschied sich für Selbständigkeit. So entstand Ende 1946 unser Verein von neuem.

Als erster Vorstand wurde Willi Wahl gewählt und Adolf Schneider als Dirigent eingesetzt. Er leitete den Verein musikalisch bis 1952. Im gleichen Jahr fand die erste Weihnachtsfeier statt, und 1947 gab es ein volles Jahresprogramm und einen „kleinen Schäferlauf". Im Jahr 1949 übernimmt Richard Egler wieder die Vereinsführung. Das 30jährige Vereinsjubiläum wird 1950 begangen, und ein Jahr später findet das Musikfest im Bezirk V des „Verbandes Süddeutscher Volksmusiker" in Markgröningen statt.

1953 kann Otto Wagner als Dirigent gewonnen werden. Der schon seit längerer Zeit in der Stadt bestehende Spielmannszug wird 1955 dem Verein eingegliedert. Die Stadtkapelle erhält 1956 die den Schäfertanztrachten nachempfundenen Uniformen in den Stadtfarben blau/gelb.

 

Otto Ritz wird Vereinsvorsitzender

30 Jahre nach seiner ersten Wahl zum Vereinsvorsitzenden gibt Richard Egler im Jahr 1957 die Vereinsführung an Otto Ritz ab. Das Blasorchester unternahm 1958 zusammen mit dem Schäfertanz seine erste Auslandsreise nach Brest/Frankreich. Im Hinblick auf das 40jährige Jubiläum im Jahr 1960 werden schon 1959 erste Kontakte zu ausländischen Kapellen aufgenommen. 1960 erreicht dann der Verein das „Schwabenalter". Als erste ausländische Kapelle musizieren Gäste aus Pettneu/Tirol in unserer Stadt.

Der Musikverein Stadtkapelle und der Schäfertanz vertreten 1961 das Land Baden - Württemberg bei der Veranstaltung „Ein deutsches Land besucht eine französische Provinz" in Niort (Poitou). Zu Pfingsten im gleichen Jahr erfolgt der Gegenbesuch in Pettneu/Tirol.

1963 war der Verein wieder im Dienste der deutsch-französischen Freundschaft in Vesoul und Ronchamp tätig. Im Jahr 1964 nahm das Blasorchester am Bundes-Luftschutz-Tag in Hamburg teil. Neben der Gastkapelle aus Almelo/Holland musizierten die Egerländer Musikanten unter Ernst Mosch beim Sommerfest im gleichen Jahr. Das Jahr 1965 brachte den Gegenbesuch in Almelo. Eine kleine Besetzung des Orchesters durfte dann mit dem Schäfertanz in Schwäbisch Hall den Besuch der Englischen Königin mitgestalten. Zum Sommerfest kamen die Bundesmusikkapelle Hopfgarten/Tirol und die Dirndlkapelle Heerwagen aus Kehlheim/Donau. Das Sommerfest im Jahr 1966 bestritten neben dem Gastgeber die Trachtenkapelle Wörgl/Tirol und nochmals die Dirndln aus Kehlheim.

Die „kulturtreibenden" Vereine in unserer Stadt gründen im Jahr 1966 den „Kulturring Markgröningen", den Vorsitz übernimmt Otto Ritz. Im gleichen Jahr wird als Abteilung des Musikvereins die Fasnet-Gilde" gegründet.

 

Chronik - Teil 3

 „Musik kennt keine Grenzen“

Vom 18. bis 21. August 1967 findet das "1. Internationale Musikfest" in Markgröningen statt. Unsere ausländischen Gäste kamen aus Kalmar/Schweden. Weiterhin wirkten mit der "Fanfarenzug des 3. Regiments Hussard" der Französischen Armee sowie die Band der 7. US-Army.

Ein großes Erlebnis brachte unseren Musikern der Gegenbesuch in Kaimar/Schweden im Jahr 1968. Im selben Jahr übernimmt Musikdirektor Gilbert Haney die Leitung des Blasorchesters, der die Gewähr für ein Wahren und Mehren des hohen Leistungsstandes unserer Musiker gibt. Zuvor leitete Alfred Zirkel einige Jahre lang die Stadtkapelle. Zum "2. Interntionalen Musikfest" 1968 erfolgt der erste Besuch der Eisenbahnerkapelle aus Varazdin/Kroatien in Markgröningen und am "3. Internationalen Musikfest", ein Jahr später, nimmt zum erstenmal die Trachtenkapelle "Hana" aus Unicov/Tschechien teil. Das 50jährige Vereinsjubiläum im Jahr 1970 vereint nicht weniger als neun Nationen in den Mauern unserer Stadt. Musik kennt eben keine Grenzen!

Der Verein reist 1971 nach Sdr. Felding/Dänemark und im Juni noch nach Varazdin. 1972 findet die erste Reise zum "Cannstatter Volksfestverein" nach Philadelphia/USA statt. Im gleichen Jahr gründet Hermann Entenmann den Fanfarenzug als 4. Abteilung des Vereins. In den Jahren 1973 - 1975 finden rege Vereinstätigkeiten statt, unter anderem mit Reisen nach Kalmar/Schweden, Unicov/Tschechien und Zagreb/Kroatien. Der zweite Flug über den Atlantik an die Ostküste der Vereinigten Staaten erfolgt Anfang September im Jahr 1976.

Auslandsreisen nach Distroff/Frankreich und Miskolc/Ungarn folgten im Jahre 1978. Mit einem Festabend wurde am 27. Oktober 1979 der langjährige Dirigent des Blasorchesters Herr Gilbert Haney in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Er wurde zum Ehrendirigenten ernannt.

 

Georg ter Voert löst Gilbert Haney ab

Als Nachfolger wurde Herr Georg ter Voert eingesetzt, der bis heute als Stadtmusikdirektor für den hohen Leistungsstandard des Musikvereins verantwortlich zeichnet. Nebenbei betreut er außerdem den Fanfarenzug und Spielmannszug und führte beide zu Meisterehren. Hier muß auch Helmut Bauer, der als Vizedirigent viele Jahre unter einigen Orchesterleitern „diente", lobend genannt werden.

Am 7. und 8. Juni 1980 waren die Gründungsfeierlichkeiten "60 Jahre Blasorchester" und "50 Jahre Spielmannszug". Der Fanfarenzug feierte am 5. und 6. Juni 1982 sein zehnjähriges Bestehen. Der Verein besucht Anholt, die Heimat unseres Dirigenten. Am 16. April 1983 wird Vorstand Otto Ritz mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes verabschiedet. Als Nachfolger wird Hans Weigel an die Spitze des Vereins gewählt.

Die Jahre 1984 und 1985 brachten wiederum rege Vereinstätigkeiten im In- und Ausland mit sich. Das "20. Internationale Musikfest" 1986 wurde ein großer Erfolg für den Verein und nicht zuletzt für unsere Stadt. Der musikalische Leiter der Stadtkapelle, "Stadtmusikdirektor Georg ter Voert" komponiert hierzu den „Markgröninger Marsch". Das Blasorchester nimmt im gleichen Jahr in Buchen/Odenwald an der Veranstaltung „Heimattage Baden-Württemberg" teil. 1987 erfolgt ein Auftritt im Fernsehen im Rahmen der ZDF-Serie "Das Sonntagskonzert" auf dem Marktplatz in Markgröningen. Nebenbei wurde auch noch eine Langspielplatte produziert.

 

Freund- und Partnerschaft mit Japan

Die Jahre 1988 - 1990 bringen Auftritte im In- und Ausland sowie bei zahlreichen örtlichen Veranstaltungen. Die "Internationalen Musikfeste", alljährlich eine Woche vor dem Schäferlauf, bilden aber stets den Höhepunkt im Jahresablauf des Musikvereins. Ganz besonders im Jahr 1989, als wir die "Stadtkapelle Hamamatsu" aus Japan bei uns begrüßen konnten.

Hans Weigel gibt 1990 die Vereinsführung ab. Ihm folgten jeweils in kürzeren Wahlperioden Ehrenvorstand Otto Ritz und Manfred Decker, bis dann Ernst Erfle im Jahre 1994 den Vereinsvorsitz übernimmt. Das bisher größte Unternehmen findet vom 28. März bis 9. April 1991 mit einer Konzertreise nach Hamamatsu/Japan statt. Besichtigungen in Kyoto, Nara, Gotemba und Tokyo machen den Besuch im Land der aufgehenden Sonne für alle Teilnehmer zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Zugleich wird ein Partnerschaftsvertrag zwischen Hamamatsu und Markgröningen abgeschlossen und mit dem Austausch der Urkunden besiegelt.

Der vereinbarte Gegenbesuch bei unseren Freunden in Rosa/Italien ist im Mai 1992. Im selben Jahr nimmt der Verein am Landesmusikfest des Blasmusikverbandes Baden-Württemberg in Tuttlingen teil. Vom 2. bis 4. Juli 1993 findet ein weiterer Besuch in Anholt/Westfalen, der Heimat unseres Dirigenten statt, mit der Teilnahme am dortigen 500-jährigen Schützenfest.

 

Höchste Ehrungen verdient

Anlässlich des 27. Internationalen Musikfestes wird 1993 Ehrenvorstand Otto Ritz und Helmut Bauer (langjähriger Kassier und Vizedirigent) das „Goldene Verdienstkreuz" vom Internationalen Musikbund (CISM) verliehen. Das Jahr 1994 wird zu einem normalen Vereinsjahr mit Teilnahme am Landesmusikfest in Wangen/Allgäu und einem „Internationalen Musikfest".  Viele Aktivitäten zielen aber schon auf das Jubiläumsjahr 1995 ab. Die allen verständliche Sprache der Musik möge dem 75-jährigen Vereinsjubiläum, verbunden mit dem „29. Internationalen Musikfest“ zur Freude und Stärkung des Vereins, zur Freude aller Teilnehmer und aller Besucher aus Nah und Fern dienen.

1995 war ein Highlight in der Geschichte des Musikvereins. Es entstand eine CD mit unseren musikalischen Freunden aus Hamamatsu/Japan, Hyvinkää/Finnland, Budapest/Ungarn und Unicov/Tschechien.  1996 unternahm das Blasorchester und der Spielmannszug eine Auslandsreise in den europäischen Norden und zwar nach Hyvinkää/Finnland. Ein Erlebnis besonderer Güte. 

Zum 30. Internationalen Musikfest hatten wir Gäste aus Szentes/Ungarn und ein Orchester aus Belgien. Erstmals fand anstatt der Jahresfeier ein Buntes Herbstkonzert statt. 1997 veranstaltete der Musikverein zum erstenmal die Trautwein-Hocket'se, unter anderem mit musikalischen Gästen vom Bodensee. Zum 31. Internationalen Musikfest waren Gäste aus Gaschurn/Partenen und aus Oensingen/Schweiz in Markgröningen. Zum erstenmal veranstaltete der Musikverein den „Markgröninger Herbst" der beim Publikum großen Anklang fand. 1997 ging eine Konzertreise nach Distroff/Frankreich. In der Adventszeit veranstaltete der Musikverein ein Benefiz-Konzert in der St. Bartholomäuskirche. Das Adventskonzert fand einen solchen Anklang beim Publikum, dass das Blasorchester zukünftig jedes Jahr ein solches Konzert veranstalten wird. Zum 32. Internationalen Musikfest hatten wir Gäste Matzendorff/Schweiz und Distroff/Frankreich. 1998 unternahmen wir eine Konzertreise nach Szentes/Ungarn. Auch fand wieder die Trautwein-Hocket'se statt. 1999 veranstaltete der Musikverein Stadtkapelle Markgröningen, als Nachfolge der Trautwein-Hocket'se, ein Open Air Konzert im Schlosshof des Helene-Lange-Gynasium. Auch in diesem Jahr waren wir auf Reisen, und zwar nach Unicov/Tschechien. Eine Besonderheit in den letzten Jahren beim Internationalen Musikfest waren jedesmal die Auftritte der amerikanischen Militärkapelle aus Schwetzingen/Heidelberg.